Metallkern-Leiterplattenmaterialien: Thermische Fakten und Designregeln
9 min
- Was „Metal Core PCB Material“ wirklich bedeutet
- Verlässliche thermische Kennzahlen
- Verfügbare Metal-Core-PCB-Materialklassen (2025)
- Designregeln, die Profis von verbrannten Leiterplatten unterscheiden
- Fertigungsgrenzen & Kostentreiber
- Wann MCPCB vs. FR-4 + Kühlkörper vs. Keramik wählen
- Fazit
Metallkern-Leiterplatten (MCPCBs) sind spezielle Leiterplatten, bei denen ein Metallsubstrat das Standard-FR-4 ersetzt. Dieser Metallkern wirkt als integrierter Kühlkörper und verbessert die Wärmeabfuhr in Hochleistungselektronik. Der grundlegende Lagenaufbau ist einfach:
• Eine Kupfer-Leiterschicht oben.
• Eine dünne dielektrische Isolationsschicht in der Mitte.
• Eine dicke Metallbasis unten.
Diese Struktur bietet eine hervorragende Wärmeverteilung und eine praktische Massefläche. Allerdings geht dies mit höheren Kosten und einem deutlich höheren Gewicht im Vergleich zu typischem FR-4 einher. MCPCBs werden häufig in LED-Beleuchtung und Netzteilen eingesetzt – also in Anwendungen, bei denen viel Wärme von den Bauteilen erzeugt wird. In diesem Artikel räumen wir mit einigen Mythen über verschiedene Kernmetalle auf, zeigen, warum die dielektrische Schicht den Wärmestrom tatsächlich bestimmt, und vergleichen reale Wärmeleitfähigkeitswerte.
Was „Metal Core PCB Material“ wirklich bedeutet
Das Metall bildet die strukturelle Basis der Leiterplatte und fungiert gleichzeitig als großer Kühlkörper. Die Kupferschicht, oft 1–3 oz, trägt die Leiterbahnen auf der Oberseite. Darunter befindet sich ein dünnes Dielektrikum, typischerweise 25–100 µm, das das Kupfer elektrisch vom Metall isoliert. Schließlich besteht die Unterseite aus dem Metallkern – meist eine 1,0–3,2 mm dicke Aluminiumplatte, die die Wärme seitlich verteilt.
Da Aluminium eine Wärmeleitfähigkeit von 150–235 W/mK besitzt und Kupfer sogar 380–400 W/mK erreicht, können diese Metallbasen Wärme deutlich schneller abführen als FR-4 (0,3 W/mK).
Kupferkern-Leiterplatten klingen beeindruckend, doch Kupfer ist schwer und teuer. Deshalb verwenden fast alle MCPCBs Aluminium. Stahlkern-PCBs existieren für mechanische Festigkeit oder EMV-Abschirmung, ihre thermische Leistung ist jedoch deutlich schlechter. Der Metallkern bietet mechanische Stabilität und dient als natürliche Masse- bzw. Abschirmfläche. Der kritische Punkt ist jedoch, dass die Wärme zunächst durch die dünne dielektrische Isolationsschicht fließen muss. Genau deshalb ist diese Schicht der eigentliche thermische Engpass.
Aluminium- vs. Kupfer- vs. Stahlkern – Struktur & Mythen
| Material | Wärmeleitfähigkeit (W/m·K) |
| FR-4 (Epoxidglas) | 0.3 |
| Aluminium | 150 – 235 |
| Kupfer | 380 – 400 |
| Stahl | 20 - 60 |
Aluminiumkern (Al): Aluminium ist relativ günstig, leicht und besitzt eine gute Wärmeleitfähigkeit. Die meisten MCPCBs verwenden eine 1,0–1,6 mm dicke Aluminiumbasis. Die thermische Leistung ist geringer als bei Kupfer, aber in der Regel ausreichend. Entwickler bevorzugen Aluminium-MCPCBs für allgemeine Beleuchtungs- und Consumer-Leistungselektronik.
Kupferkern (Cu): Die extrem hohe Wärmeleitfähigkeit macht Kupfer zu einem hervorragenden Wärmeverteiler. Theoretisch könnte ein Kupferkern ohne Isolationsschicht bedeuten, dass der Chip direkt auf Kupfer montiert ist. In der Praxis sind Kupfer-MCPCBs jedoch selten, teuer und schwer. JLCPCB bietet sogar einen speziellen „Kupfer-PCB“-Service an, bei dem Chips direkt auf Kupferplatten montiert werden.
Stahlkern: Stahl wird nur verwendet, wenn eine extrem robuste oder magnetische Leiterplatte erforderlich ist. Seine Wärmeleitfähigkeit ist deutlich geringer. Das bedeutet: Eine Stahlkern-Leiterplatte wird heißer als eine Aluminium-Leiterplatte. Stahl sollte nur bei speziellen mechanischen Anforderungen eingesetzt werden – und selbst dann mit schlechterer Wärmeverteilung.
Rolle der dielektrischen Schicht (die echte thermische Brücke)
Eine dünne dielektrische bzw. Isolationsschicht von typischerweise 50–150 µm liegt zwischen der heißen Kupferschaltung und der Metallbasis. Diese Schicht isoliert das Kupfer elektrisch vom Metall, begrenzt aber gleichzeitig den Wärmestrom erheblich. Tatsächlich ist das Dielektrikum meist der größte thermische Engpass in einer MCPCB. Viele übersehen diesen Punkt: Das Kupfer-auf-Metall sieht glänzend aus, aber dazwischen befindet sich immer eine klebrige Isolierschicht. Deren Wärmeleitfähigkeit liegt oft nur bei 5–10 W/mK.
Das Ergebnis: Eine konventionelle MCPCB (mit Standarddielektrikum) erreicht effektiv nur wenige W/mK Gesamtleitfähigkeit. Nur Hochleistungs-IMS-Leiterplatten mit speziellen, keramikgefüllten Dielektrika kommen über 10 W/mK hinaus. Wenn maximale Wärmeleitfähigkeit benötigt wird, umgehen Entwickler die Isolationsschicht manchmal vollständig bei COB-MCPCBs (Chip-On-Board). Dort wird der Chip direkt auf die Metallbasis geklebt, sodass die Wärme die volle Metallleitfähigkeit nutzt. Dadurch sind effektive Wärmeleitfähigkeiten von über 200 W/mK möglich.
Verlässliche thermische Kennzahlen
Bei der Bewertung oder dem Vergleich von MCPCBs sollte man sich auf gemessene Leitfähigkeitswerte verlassen – nicht nur auf die reinen Metallzahlen. Einige wichtige thermische Kennwerte:
| Kategorie | Wärmeleitfähigkeit (W/m·K) |
| Dielektrikum (MCPCB-Isolation) | 1–10 (Premium) |
| Aluminium-Basis | 138–235 |
| Kupfer-Basis | 380–400 |
| Gesamter MCPCB-Aufbau | 1–4 |
Einfluss der Dicke: Eine dickere Metallbasis hat mehr Masse zur Wärmeaufnahme und einen etwas geringeren thermischen Widerstand zu den Rändern. Die Wärme fließt jedoch hauptsächlich lateral in der Plattenebene. Bei kleinen Wärmequellen verteilt bereits eine 1-mm-Platte die Wärme weit. Eine Erhöhung auf 2 mm senkt die Hotspot-Temperatur oft nur geringfügig, erhöht aber die Masse, sodass sich die Leiterplatte langsamer aufheizt.
Verfügbare Metal-Core-PCB-Materialklassen (2025)
In der Praxis lassen sich MCPCBs nach der Wärmeleitfähigkeit der Isolationsschicht in Klassen einteilen:
- Standard (1–3 W/m·K): Basis-MCPCBs mit FR-4-ähnlichen Dielektrika oder einfachen Füllstoffen.
- Mittelklasse (3–6 W/m·K): Spezielle Polymere oder Silikonschichten erhöhen die Leitfähigkeit. Typisch für Automotive-Module oder industrielle Wandler.
- Extrem (6–12+ W/m·K): Hochleistungs-IMS mit keramischen Füllstoffen oder keramischer Basis. Materialien wie Aluminiumnitrid oder Aluminiumoxid erreichen hohe einstellige bis niedrige zweistellige Werte.
Designregeln, die Profis von verbrannten Leiterplatten unterscheiden
Selbst mit den richtigen Materialien kann ein schlechtes Layout eine MCPCB ruinieren. Hier sind die wichtigsten Regeln:
Via-Typen (Durchkontaktierung, Blind, Thermal) & Stromgrenzen
| Via Type | Einsatz in MCPCB |
| Durchkontaktierte Vias | Signale, Montage |
| Blind-/Buried-Vias | Selten/unpraktisch |
| Thermal Vias | Nur Wärmeübertragung |
| Via-in-Pad | Thermische Optimierung |
Stromtragfähigkeit: Als grobe Faustregel trägt 1 oz Kupfer bei einer 0,254-mm-Leiterbahn etwa 1 A. Verdoppelt man Kupferdicke oder Leiterbahnbreite, verdoppelt sich ungefähr der Strom. Für MCPCBs mit 50–200 W sind Ströme im zweistelligen Amperebereich üblich; 16 A bei 12 V entsprechen etwa 200 W. Für 15–20 A Dauerstrom sind Leiterbahnbreiten von mehreren Millimetern erforderlich.
Mindestdielektrikdicke vs. Spannungsfestigkeit
Die Isolationsschicht muss auch elektrische Anforderungen erfüllen. Als Branchenfaustregel gelten 2–3 kV pro Millimeter Dielektrikum. JLCPCB gibt für eine 1,0-mm-Al-MCPCB eine Durchschlagsfestigkeit von 3000 V an. Eine dickere Isolationsschicht erhöht die Spannungsfestigkeit annähernd proportional.
Immer die Herstellerspezifikation prüfen. Bei hohen Isolationsanforderungen dickere Kerne oder zusätzliche Isolationsabstände verwenden. Ist die Metallbasis geerdet, müssen Lötstoppmasken oder Barrieren Lichtbögen zwischen Kupfer und Basis verhindern.
Kupfergewicht & Leiterbahnbreite für 50–200-W-Anwendungen
Viele Watt bedeuten hohe Ströme. Typische Designentscheidungen:
Kupfergewicht: Dickes Kupfer reduziert den Leiterbahnwiderstand erheblich. In MCPCBs befindet sich das Kupfer nur auf der Oberseite, daher verbessert eine dickere Folie direkt die Stromtragfähigkeit und reduziert I²R-Verluste. Schweres Kupfer (2 oz, 3 oz oder mehr) erfordert spezielle Prozesse und erhöht die Kosten um 50–200 %.
Leiterbahnbreite: IPC-Daten zeigen, dass eine 6,35-mm-Leiterbahn bei 2 oz Kupfer etwa 20 A bei 20 °C Temperaturanstieg tragen kann. Für 20 A sollten 6–8 mm Breite eingeplant werden. Immer IPC-Strombelastungsdiagramme heranziehen.
Thermal Vias / Flächen: Bei doppelseitigen MCPCBs sollten hohe Ströme auf beide Seiten verteilt werden. Bei einseitigen Boards existiert nur eine Leiterschicht – sie ist gleichzeitig Leiterbahn und Kühlkörper.
Fertigungsgrenzen & Kostentreiber
Warum MCPCB 2–4× teurer ist als FR-4
Viele PCB-Käufer sind überrascht von den hohen MCPCB-Angeboten. Tatsächlich liegen MCPCBs preislich etwa beim 2–4-Fachen von FR-4:
Materialkosten: Aluminiumplatten und hochleitfähige Dielektrika kosten deutlich mehr als FR-4-Laminate.
Prozesskomplexität: Die Fertigung erfordert zusätzliche Laminierungen und spezielle Beschichtungen. Das Bohren durch den Metallkern ist schwieriger als bei FR-4.
Ausbeute/Prüfung: Fehler in der thermischen Bindung oder Hohlräume im Dielektrikum können Hotspots verursachen. Die Ausbeute ist oft geringer, weshalb viele Boards zu 100 % geprüft werden.
Stückzahlen & Know-how: FR-4 ist Massenware. MCPCBs sind Nischenprodukte, nur wenige Hersteller verfügen über die nötige Ausrüstung und Erfahrung.
Wann MCPCB vs. FR-4 + Kühlkörper vs. Keramik wählen
Die richtige thermische Lösung lässt sich in 60 Sekunden mit diesem Entscheidungsweg bestimmen:
| Lösung | Example Cost (typical) | Ca. Wärmeleistung | Kosten pro Watt |
| FR4 PCB + Kühlkörper | $15 | 50 W | $0.30/W |
| Aluminium-MCPCB | $25 | 150 W | $0.17/W |
| High-End-Keramik-PCB | $100 | 200 W | $0.50/W |
Leistung & Wärmestrom abschätzen: Unter 20–50 W und ausreichend Platz → FR-4 mit Kühlkörper reicht oft aus. Unter 20 W ist FR-4 + Lüfter/Kühlkörper meist am günstigsten. Bei 50–200 W auf kleiner Fläche ist MCPCB sinnvoll.
Platz & Integration: MCPCBs integrieren den Kühlkörper und sparen Bauraum. FR-4 + Kühlkörper benötigt zusätzliches Volumen.
Mechanik & Umwelt: Aluminium-MCPCBs sind leichter als Stahl oder manche Keramiken. Für hohe Zuverlässigkeit und Temperatur sind sie FR-4 überlegen.
Budget: FR-4 ist am günstigsten pro Fläche. Wenn Kühlkörper- und Montagekosten steigen, rechtfertigt sich oft der höhere MCPCB-Preis.
60-Sekunden-Flussdiagramm:
Fazit
Metallkern-Leiterplatten sind ein leistungsstarkes Werkzeug für das Thermomanagement in Hochleistungselektronik. Wichtige Regeln sind ausreichend dicke Dielektrika für die nötige Spannung, korrekt platzierte Thermal Vias und ausreichend dimensionierte Leiterbahnen für hohe Ströme. Entwickler wählen nur so viel Metallstärke wie nötig, da zusätzliches Metall Gewicht und Kosten erhöht. JLCPCBs Standard-Aluminium-MCPCBs reichen bis 1,6 mm, einige Anbieter bieten 3,2 mm für größere Baugruppen. Für moderate Leistungen genügen 1 mm, für Hochleistungsmodule 1,5–2 mm – darüber hinaus nur bei strukturellem Bedarf.
Wenn dein PCB-Design mehr als einige Dutzend Watt auf kleiner Fläche abführen muss, ist ein Metallkern eine gute Wahl. Für moderate Kühlung ist FR-4 mit Kühlkörper günstiger. Für maximale thermische Leistung kommen Hochleistungs-IMS oder direkt gebondete Keramik-Leiterplatten infrage. Mit den oben genannten Richtlinien und realen Datenblättern können Ingenieure die richtige Leiterplattenart sicher auswählen.