Tutorial zur Auslegung flexibler Heizelemente mit dem JLCPCB-Rechner
9 min
Dieses Tutorial ist speziell für den Flex-Heizer-Anpassungsservice von JLCPCB konzipiert
Wir stellen ein spezielles Kalkulationstool bereit, das den komplexen Leiterbahnentwurf vereinfacht und es Ihnen ermöglicht, sich auf Leistungsparameter zu konzentrieren, während unsere Ingenieure die technische Umsetzung übernehmen.
Klicken Sie hier, um die Excel-Datei herunterzuladen!
Einführung
In diesem Artikel erkläre ich, wie man einen Flex-Heizer aus der Perspektive der Materialauswahl und des elektrischen Designs entwirft. Ich glaube, dass jeder Elektronik-DIY-Enthusiast mit kommerziellen Produkten auf dem Markt teilweise unzufrieden ist und mehr Freiheit über Produktparameter wünscht, um eigene Designs anzupassen.
Wenn man jedoch tatsächlich mit der Anpassung beginnt, kann man leicht auf ein Dilemma stoßen: Ob Sie ein Anfänger in der Elektronik sind oder ein erfahrener Maker, der ein neues Bauteil nutzt – Sie können sich leicht in den vielen Parametern verlieren und nicht wissen, welche Funktion jeder Parameter hat oder wie man ihn anpasst, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.
Glücklicherweise sind Flex-Heizer keine übermäßig komplexen Bauteile. Obwohl sie Anpassungsmöglichkeiten bieten, sind sie im Vergleich zu grundlegenderen Bauteilen wie PCBs wesentlich einfacher. Dieser einzelne Artikel deckt die wichtigsten Designpunkte ab. Es ist wichtig zu beachten, dass die in diesem Artikel besprochenen Flex-Heizer flexible Heizfolien betreffen und nicht andere flexible Heizprodukte wie beheizte Wasserrohre.
Elektrischer Schaltkreisentwurf
Der Kern eines Flex-Heizers ist das Leiterbahndesign. Traditionelles Leiterbahndesign ist recht komplex und erfordert die Berücksichtigung von Widerstandsverteilung, Wärmegleichmäßigkeit, Leiterbahnabständen und vielen weiteren Faktoren, was für Anfänger eine Herausforderung darstellt.
Die gute Nachricht: JLCPCB hat ein Kalkulationstool speziell für Anfänger entwickelt, das die Berechnung der wichtigsten Designparameter ermöglicht und die komplexe Leiterbahnanordnung umgeht. Das bedeutet, dass Sie sich auf die Leistungsparameter konzentrieren können, während unsere professionellen Ingenieure die konkrete Leiterbahnimplementierung übernehmen.
Im Folgenden erkläre ich detailliert, wie man dieses Kalkulationstool verwendet.
Überblick über die Tool-Oberfläche
Dieses Tool ist eine Excel-Tabelle (später werden Online-Versionen und andere Formate verfügbar sein). Die gesamte Tabelle ist funktional in drei Kernbereiche unterteilt:

Zentraler Berechnungsbereich: grüne Zellen zur manuellen Eingabe, rote Zellen zeigen Berechnungsergebnisse

Materialparameterbereich: enthält die verfügbaren Materialien für Heizdrähte

Berechnungsüberprüfungsbereich: dient der Verifikation der Ergebnisse aus dem zentralen Berechnungsbereich
Die Funktion dieser drei Bereiche zu verstehen, ist der Schlüssel zur Nutzung des Tools. Einfach ausgedrückt: Der zentrale Berechnungsbereich ist Ihr Hauptarbeitsbereich, der Materialparameterbereich liefert physikalische Parameter verschiedener Metalle als Referenz, und der Berechnungsüberprüfungsbereich hilft Ihnen, die Genauigkeit Ihres Designs zu bestätigen.
Schritt-für-Schritt Designprozess
Schritt 1: Grundparameter vorbereiten
Zunächst müssen drei grundlegende Parameter im zentralen Berechnungsbereich ausgefüllt werden:
- Länge des Heizbereichs
- Breite des Heizbereichs
- Zielwiderstand (Resistance R)
Länge und Breite können direkt aus dem zu beheizenden Bereich gemessen werden. Wenn es keine regelmäßige geometrische Form ist, kann man approximativ ein Rechteck verwenden, das den Bereich abdeckt. Der Widerstandswert muss anhand der Versorgungsspannung und Leistungsanforderungen des Projekts berechnet werden.
Beispiel: Bei einem Projekt mit 12 V Stromversorgung und 14,4 W Leistung sollte der Widerstand nach der Formel R = V² / P auf 10 Ω gesetzt werden.
In unserem Beispiel nehmen wir an, dass der Heizbereich 100 mm × 100 mm groß ist, mit einem Zielwiderstand von 10 Ω, wie im Bild dargestellt.
Schritt 2: Heizmaterial auswählen
Als Nächstes wählen Sie ein Heizmetallmaterial. Im Materialparameterbereich finden Sie Parameter für mehrere gängige Materialien, hauptsächlich:
- Materialdicke
- Widerstandsfähigkeit (Resistivity)
Füllen Sie diese beiden Parameter des ausgewählten Materials in den zentralen Berechnungsbereich ein. In unserem Beispiel haben wir FeCrAl (Eisen-Chrom-Aluminium-Legierung) gewählt.
Grundprinzipien der Materialauswahl:
- Bei hohem Zielwiderstand (z. B. mehrere zehn Ohm oder mehr) wählt man Materialien mit hoher Resistivität wie FeCrAl
- Bei niedrigem Zielwiderstand (einige Ohm) wählt man Materialien mit niedriger Resistivität wie Kupfer
Dies macht das Leiterbahndesign angemessener und verhindert zu schmale oder zu breite Leiterbahnen.
Schritt 3: Anzahl der Drahtgruppen einstellen
Der Parameter „Number of heating wire groups“ repräsentiert die Anzahl der parallelen Stromkreise im Flex-Heizer. Dies ist eine wichtige Designvariable:
- Mehr Gruppen → größere Gesamtleiterquerschnittsfläche → niedrigerer Widerstand
- Weniger Gruppen → höherer Widerstand, aber einfachere Leiterbahnführung

Wenn Sie unsicher sind, starten Sie mit 1 und passen Sie später nach Berechnungsergebnissen an.
Schritt 4: Iterative Leiterbahnbreiten-Optimierung
Dies ist der wichtigste Schritt im gesamten Designprozess. Sie geben einen Anfangswert in „Assumed line width“ ein und beobachten dann die Berechnungsergebnisse.
Vorgehensweise:
- Wert in „Assumed line width“ eingeben (empfohlen 1 Dezimalstelle, z. B. 0,5 oder 1,0)
- Enter drücken, um die Berechnung auszuführen
- „Line width“ im Berechnungsergebnisbereich prüfen
- Differenz zwischen „Assumed line width“ und „Line width“ vergleichen
Optimierungsziel: Beide Werte sollten möglichst nah beieinander liegen. Bei einer Differenz von ≤2 gilt das Design als akzeptabel.
Hinweis: Die Beziehung zwischen beiden Parametern ist nicht linear. Möglicherweise sind mehrere Versuche erforderlich. Wenn keine Annäherung gelingt, kehren Sie zu Schritt 2 oder 3 zurück und ändern Material oder Drahtgruppenanzahl.
Normalerweise sind maximal 5 Versuche nötig, um eine geeignete Kombination zu finden.
Schritt 5: Designüberprüfung
Nach Festlegung der angenommenen Leiterbahnbreite erfolgt die finale Überprüfung im Berechnungsüberprüfungsbereich, um die Designgenauigkeit sicherzustellen.
Verifikationsschritte:
- „Resistivity“ im Verifizierungsbereich ausfüllen – konsistent mit Materialauswahl
- „Material thickness“ ausfüllen – ebenfalls konsistent
- „Assumed line width“ Wert eingeben
- Tatsächliche Leiterbahnlänge in „Line length“ eingeben – Abweichungen durch Pad-Positionen oder Leiterbahnwinkel berücksichtigen
- Enter drücken und berechneten Widerstand prüfen
Wenn der berechnete Widerstand dem Zielwert entspricht (Fehler ≤5 %), ist das Design machbar und kann den Ingenieuren zur Leiterbahnerstellung übermittelt werden. Andernfalls zu Schritt 4 zurückkehren.
Materialauswahl
Viele Anfänger unterschätzen die Materialauswahl, glauben, dass eine korrekte Schaltung allein ausreicht. Doch Materialwahl bestimmt Lebensdauer, Anwendungsbereiche, Sicherheit und Kosten des Flex-Heizers.
Heizprinzip:
Flex-Heizer arbeiten über Widerstandsheizung, ähnlich wie Haartrockner oder Heizlüfter. Diese Geräte verwenden jedoch dicke, starre Widerstandsdrahtmodule, nicht flexibel genug. Daher werden Materialien mit höherer Resistivität und besserer Verformbarkeit verwendet, damit wenig Draht die notwendige Wärme erzeugt und die Flexibilität erhalten bleibt.
Komponenten eines Flex-Heizers:
- Heizwiderstandsdraht – Kernkomponente
- Encapsulation Film – Isolation und mechanische Unterstützung
- Anschlussdrähte – Verbindung zur Stromversorgung
- Temperatursensor (optional)
- Klebeschicht – meist 3M doppelseitiges Klebeband
Daraus ergeben sich drei frei wählbare Materialien: Encapsulation Film, Heizdraht, Klebeschicht.
Encapsulation Film: Silikon vs. PI
Die Wahl des Films beeinflusst Temperaturbeständigkeit, mechanische Festigkeit, Flexibilität und Einsatzbereich. Produkte werden oft nach Material benannt: PI-Heater (Polyimid) oder Silikon-Heater.
| Eigenschaft | PI Flex Heater | Silikon Flex Heater |
|---|---|---|
| Basismaterialdicke | 0,09–0,27 mm | 1,0–2,0 mm (inkl. Silikonschicht) |
| Lichtdurchlässigkeit | 50 μm PI: 60,2 %; 25 μm PI: 70,6 % | 0 % |
| Temperaturbereich | -40~260 °C (langfristig <150 °C) | -40~300 °C (langfristig <200 °C) |
| Spannungsbereich | 3,7~220 VAC, 2000 VDC 1 min ≤1 mA Leckstrom | 1~380 VAC, 2500 VDC 1 min ≤1 mA |
| Isolationswiderstand | ≥100 MΩ @ DC 1000 V | ≥500 MΩ @ DC 1500 V |
| Max. Leistungsdichte | 1,0 W/cm² | 2,0 W/cm² |
| Wärmeleitfähigkeit | 0,2–0,35 W/(m·K) | 1,0–1,5 W/(m·K) |
| Mechanische Druckfestigkeit | ≤50 KG/cm² | 200–350 KG/cm² |
| Drahtzugkraft | ≥100 N | ≥100 N |
| Lebensdauer | 5 Jahre | 5 Jahre |
| Lötpunkt-Zugkraft | ≥40 N | ≥40 N |
PI Flex Heater: dünn, gute Lichtdurchlässigkeit, extrem flexibel, schnelle Wärmeübertragung. Einsatz: Präzisionsgeräte mit Schutzgehäusen (Medizin, Batteriemodule, Laborgeräte).
Silikon Flex Heater: hohe Druckfestigkeit, höhere Temperaturbeständigkeit, bessere Isolierung, höhere Leistungsdichte. Einsatz: Direktkontakt, freiliegende Objekte, Outdoor, Rohrheizung, Lebensmittelverarbeitung.
Auswahlhinweise:
- Ultraklein, flexibel, geschütztes Gehäuse → PI
- Direkte Belastung, raue Umgebung → Silikon
- Hohe Leistungsdichte → Silikon
- Kosten → PI etwas teurer
Heizdraht: Kupfer / Edelstahl / FeCrAl
| Material | Dicke (mm) | Resistivität (Ω·cm²) |
|---|---|---|
| Kupfer (CU) | 0,03 | 0,067 ±6 % |
| Kupfer (CU) | 0,05 | 0,067 ±6 % |
| Edelstahl (SUS304) | 0,03 | 0,768 ±6 % |
| Edelstahl (SUS304) | 0,05 | 0,768 ±6 % |
FeCrAl: Resistivität ca. 1,2–1,4 Ω·mm²/m
Kupfer: niedrigster Widerstand, exzellente Wärmeleitung, für niedrige Widerstände / hohe Ströme, Niederspannung (5–12 V).
Edelstahl: mittlere Resistivität, korrosionsbeständig, mechanisch stark, mittelwertige Widerstände, raue Umgebung.
FeCrAl: hoher Widerstand, hohe Temperaturbeständigkeit, Oxidationsresistenz, Hochwiderstandsanwendungen, 220 V.
Auswahl:
- Widerstandswert: niedrig → Kupfer, hoch → FeCrAl, mittel → Edelstahl
- Versorgungsspannung: ≤24 V → Kupfer, ≥110 V → Edelstahl/FeCrAl
- Arbeitsumgebung: feucht/korrosiv → Edelstahl, hohe Temperatur → FeCrAl
- Kosten: Kupfer < Edelstahl < FeCrAl
Klebeschicht: 3M Modellvergleich
| Modell | Dicke (mm) | Langzeit-T° | Kurzzeit-T° | Niedrig-T° | Eigenschaften / Anwendung |
|---|---|---|---|---|---|
| 3M 9448A | 0,15 | 70 °C | 150 °C | - | Allgemein, medium-low Temp., nicht tragend |
| 3M 468MP | 0,13 | 149 °C | 204 °C | -35 °C | Hochleistung, PI-Heater, Metalloberflächen |
| 3M 55236 | 0,06 | 70 °C | 150 °C | - | Ultra-thin, Präzision, Low-Power |
| Crown 513 (dom.) | 0,16 | 80 °C | 110 °C | - | Dick & elastisch, Budget, unebene Oberflächen |
Auswahlhinweise:
- 9448A: wirtschaftlich, mittel-temp., leichte Anwendungen
- 468MP: Profi, hohe Temp., langlebig, PI-Heater Standard
- 55236: ultra-dünn, Präzisionsanwendungen
- Crown 513: kostengünstig, dick & elastisch, Budgetprojekte
Allgemeine Hinweise:
- Oberfläche reinigen, Druck auftragen, Aushärtezeit beachten, Temperaturbereich berücksichtigen, bei Kurven dickere Kleber wählen
Mechanische Befestigungsmethoden
Neben Kleber gibt es mechanische Befestigung, v. a. bei Silikon-Heatern:
- Federhaken → Zylinderobjekte
- Schraubenlöcher → Metallverstärkung an Rand
- Klettverschluss → temporär, abnehmbar
- Metallclips → häufige Demontage
Empfehlungen:
- Stationär → Kleber reicht
- Gelegentlich bewegt → Kleber + Randverstärkung
- Häufig bewegt / Vibration → mechanisch primär, Kleber sekundär
- Wartung → Klett/abnehmbar
Hinweis: JLCPCB bietet derzeit nur Kleberinstallation. Mechanische Methoden dienen als technische Referenz. Bei Bedarf: dickeren Kleber verwenden, mechanische Verstärkung hinzufügen, Support kontaktieren.
Zusammenfassung
Flex-Heizer-Design umfasst zwei Hauptaspekte: elektrisches Design und Materialauswahl. Nach Beherrschung der in diesem Artikel vorgestellten Methoden ist der Prozess nicht kompliziert.
Elektrisches Design: Mit JLCPCB-Kalkulationstool Optimierung ohne komplexe Leiterbahnanordnung. Schlüssel: Parameter verstehen, iterative Optimierung, Designverifikation.
Materialauswahl:
- Encapsulation Film: dünn/flexibel → PI, robust → Silikon
- Draht: niedrig → Kupfer, hoch → FeCrAl, mittel → Edelstahl
- Kleber: Arbeits-T° beachten, hoch → 468MP, Budget → 9448A / Crown
Wichtig: Design basierend auf tatsächlichem Anwendungsfall:
- Versorgungsspannung & Leistung klären
- Arbeitsumgebung prüfen
- Kosten & Serienfertigung bedenken
- Sicherheitsreserven einplanen (T°, Leistung)
Dieses Tutorial soll helfen, Flex-Heizer zu entwickeln, die den Anforderungen entsprechen. Bei Problemen steht der JLCPCB-Support bereit.
Merke: Gutes Design basiert auf tiefem Verständnis der Anforderungen und sorgfältiger Detailbeachtung. Viel Erfolg!